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Wenn das Zuhause zur Last wird: Rentner in der Wohnungsnot

30. Mai 2026

Ältere Menschen stehen vor der Zerreißprobe des knappen Wohnungsmarkts

Hamburg — Ilse Rönnfeldt ist 85 Jahre alt und hat 54 Jahre in derselben Altbauwohnung gelebt. Nach dem Tod ihres Mannes lebt sie allein in der 86 Quadratmeter großen Wohnung, die nur über steile Treppen erreichbar ist. Die Entfernung vom vertrauten Wohnraum fällt ihr schwer, und der Umzug bereitet ihr schlaflose Nächte.

«Traurig irgendwie. Ich glaube schon, dass ich nachher anfange zu heulen, wenn das so weit ist», sagt Ilse. Die Sorge gilt nicht nur den Treppen: Die Suche nach einer erschwinglichen, seniorengerechten Bleibe in der Großstadt ist mühsam, die bürokratischen Hürden oft hoch.

Claudia Langholz vom Diakonischen Werk in Hamburg beobachtet, dass die Probleme über einzelne Einzelschicksale hinausgehen. «Wir reden nicht nur über Rentnerinnen und Rentner, sondern auch über die Working Poor», erklärt sie. Viele Erwerbstätige und Ältere müssten entscheiden, ob sie Medikamente kaufen oder die Wohnung heizen können.

Ilse schildert, wie kompliziert der Behördengang war: Zunächst brauchte sie einen Bewilligungsschein, dann folgten lange Wartezeiten, mehrfach nachzureichende Unterlagen und schließlich die Mitteilung, dass digitale Dokumente verschwunden seien. Solche Verzögerungen machen Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, besonders verletzlich.

Zu den praktischen Sorgen kommt die Angst vor versteckten Kosten. Der verstorbene Ehemann hatte Holztäfelungen an Wänden angebracht. Ilse befürchtet, dass beim Auszug der Rückbau teuer werden könnte. Nachbarn hätten berichtet, dass die Genossenschaft zwar Maler angeboten habe, trotzdem aber angemessene Kosten angefallen seien.

Nach vielen Anträgen hat Ilse nun Aussicht auf eine seniorengerechte Wohnung in der Nähe ihres bisherigen Zuhauses. Die neue Wohnung wäre mit rund 45 Quadratmetern deutlich kleiner, doch die Aussicht, im gewohnten Viertel bleiben zu können, tröstet sie. Beim Umzug sollen ihre Kinder und Enkel mit anpacken.

Die Diakonie fordert als Konsequenz aus den Schilderungen der Betroffenen mehr staatlich geförderten sozialen Wohnungsbau. Ziel sei es, Betroffenen eine Stimme zu geben und die öffentliche Debatte über Altersarmut und prekäre Wohnverhältnisse anzustoßen.

Ilse bleibt vorsichtig optimistisch: Die Hoffnung auf eine barrierearme, bezahlbare Wohnung in bekannter Nachbarschaft hat ihr Zuversicht gegeben. Doch ihr Fall bleibt ein Sinnbild für ein Problem, das viele ältere Menschen in Deutschland vor existenzielle Entscheidungen stellt.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: merkur.de



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