55 Sozialwohnungen provozieren Protest in Moselstadt
Große soziale Wohnanlage löst heftigen Widerstand aus
In Traben-Trarbach sorgt ein geplantes Bauvorhaben für Spannungen zwischen Wohnraummangel und Stadtschutz: Ein Investor plant auf der Ecke Post- und Bahnstraße einen Neubau mit 55 Sozialwohnungen, doch viele Anwohner lehnen das Projekt ab.
Die Eckhäuser, darunter das ehemalige Shisha-Café, stehen offen sichtbar in schlechtem Zustand. Zerbrochene Lampen über dem Eingang, verschmierte Scheiben und Graffiti prägen die Fassade. Bewohner berichten, Jugendliche schleichen sich in das leerstehende Gebäude, gelegentlich schlafen Obdachlose dort. Stadtbürgermeister Patrice Langer (SPD) beschreibt die Lage knapp: «Die Bausubstanz ist eine Katastrophe, der Wohnraum ist nicht mehr vermietbar.»
Planungen und Proteste
Die Ingenieurin Hakan Yigit und die Architektin Jessica Ruba haben vor, mehrere alte Gebäude abzureißen und drei fünfgeschossige Neubauten zu errichten. Bei einer Bürgerversammlung im Alten Rathaus kamen mehr als 80 Menschen zusammen. Viele sprachen sich gegen die Dimension und Gestalt des Entwurfs aus. Begriffe wie «überdimensioniert» und «passt nicht ins Stadtbild des Jugendstilortes» fielen wiederholt.
Eine Anwohnerin kritisierte die geplante Kubatur als «Kistenarchitektur», ein anderer befürchtet, dass die Stadt später den Eingriff bereuen werde. Befürworter des Projekts waren zwar anwesend, wirkten an diesem Abend jedoch in der Minderheit. Der Investor zeigte sich wenig überrascht über den Widerstand, wies aber auf die drängende Wohnungsknappheit hin.
Zwischen Ferienwohnungen und bezahlbarem Wohnraum
Traben-Trarbach hat in den vergangenen Jahren vor allem teure Eigentumswohnungen und Ferienunterkünfte erhalten. Stadtbürgermeister Langer fragt deshalb: «Für Touristen ist gesorgt, aber wo bleiben die Wohnungen für Menschen, die hier arbeiten und leben?» Das vorgesehene Projekt würde geförderte Sozialwohnungen bieten; die Investitions- und Strukturbank des Landes bindet die Mieten an Förderauflagen. Langer rechnet mit Mietpreisen von rund sechs Euro pro Quadratmeter, etwa zwei Euro unter dem städtischen Durchschnitt.
Die Wohnungen sollen an Personen mit Wohnberechtigungsschein vergeben werden, darunter Geringverdiener, Rentner und Sozialhilfeempfänger. Genau diese soziale Zielgruppe sehen Befürworter als dringend notwendig an, während Kritiker vor allem die Größe und Lage des Komplexes bemängeln.
Entscheidung bleibt beim Stadtrat
Die Anwohner akzeptieren laut Versammlung in der Regel die Idee von Sozialwohnungen, nicht jedoch das geplante Ausmaß an dieser prominenten Stelle. Ob das Projekt gebaut wird, entscheidet der Stadtrat; in den kommenden Wochen wird das Gremium die Bauvoranfrage beraten. Bei der Bürgerversammlung äußerte ein Teilnehmer die Hoffnung: «Ich kann nur hoffen, dass der Rat das Projekt ablehnt.»
Unabhängig vom Ausgang in Traben-Trarbach bleibt die übergeordnete Frage bestehen, wie Moselstädte den Ausgleich zwischen Tourismus, Stadtsanierung und bezahlbarem Wohnraum herstellen sollen.