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Diakonie warnt vor eklantantem Mangel an frauenspezifischen Hilfen in Schleswig-Holstein

07. April 2026

Diakonie fordert mehr Schutzräume und gezielte Angebote für wohnungslose Frauen

In Schleswig-Holstein steigt die Zahl der Menschen, die Hilfe bei der Wohnungslosenhilfe der Diakonie suchen weiter an. Fast 11 000 Beratungen und Hilfesuchende verzeichnete der Wohlfahrtsverband im vergangenen Jahr – rund 600 mehr als im Vorjahr. Die Diakonie warnt, dass Frauen in diesen Zahlen unterrepräsentiert sind, obwohl ihre tatsächliche Betroffenheit deutlich höher liegen dürfte.

Laut Verband nahmen etwa 3 000 Frauen die Angebote der Diakonie in Anspruch. Das Statistische Bundesamt meldete zum Stichtag sogar mehr als 29 000 Menschen, die in Schleswig-Holstein in Notunterkünften untergebracht waren. Viele Frauen meiden jedoch gemischt geführte Einrichtungen aus Scham oder aus Angst vor retraumatisierenden Begegnungen. Heiko Naß, Landespastor und Vorstand der Diakonie Schleswig-Holstein, spricht von einer sich zuspitzenden Lage insbesondere in den größeren Städten und im Hamburger Speckgürtel.

Kathrin Kläschen, Referentin für Wohnungslosenhilfe bei der Diakonie, erklärt: «Frauen haben häufig frauenspezifische Problemlagen, etwa Gewalterfahrungen, und suchen deshalb seltener öffentlich zugängliche, geschlechterdurchmischte Angebote auf.» Viele übernähmen deshalb prekäre Schlafgelegenheiten bei Bekannten oder Fremden, was weitere Gefährdungen bedeute.

Frauenangebote bislang vor allem in Städten

Von den 36 diakonischen Standorten im Land bieten bislang nur größere Städte spezifische Frauenangebote an. In Kiel, Neumünster, Flensburg und Lübeck gibt es zum Teil getrennte Notunterkünfte und Beratungsstellen ausschließlich für Frauen. Dort gelang es der Diakonie, mehr betroffene Frauen zu erreichen. Auf dem Land hingegen fehlen oft Kapazitäten, Öffnungszeiten oder eigene Räume, so dass Frauen in gemischten Einrichtungen untergebracht werden müssen – eine Situation, die für viele unzumutbar sei.

Finanzierung, Prävention und bezahlbarer Wohnraum als Schlüssel

Die Diakonie beklagt eine angespannte Finanzlage: Landesfördermittel für die Wohnungslosenhilfe sind seit Jahren auf 900 000 Euro gedeckelt. Naß fordert einen automatischen Anstieg der Zuschüsse im Takt mit den steigenden Beratungszahlen. Das Sozialministerium erkennt die Belastung an, sieht jedoch angesichts der Haushaltslage nur begrenzten finanziellen Spielraum und verweist auf kommunale Unterstützungen und weitere Hilfsangebote.

Naß betont zugleich, dass mehr Geld allein nicht ausreiche. Prävention müsse ausgeweitet werden, damit Kündigungen in Notsituationen verhindert werden. Zudem brauche es mehr bezahlbaren Wohnraum und nachhaltige Begleitung, damit Menschen eine Wohnung langfristig halten können. Wohnen sei ein elementares Grundrecht, so der Diakonievorstand.

  • Aktuelle Lage: stetiger Anstieg der Hilfesuchenden
  • Besondere Herausforderung: Frauen sind schwerer erreichbar und oft nicht in Statistiken vertreten
  • Forderung: mehr frauenspezifische Schutzräume, bessere Finanzierung und präventive Maßnahmen

Die Diakonie macht sich für landesweit einheitliche Regelungen in der Wohnungslosenhilfe stark, um gerade für Frauen flächendeckend sichere Anlaufstellen und geschützte Räume zu schaffen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: ndr.de



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