Mietpreisbremse aus der Gemeinschaft: Wie ein Holzbau bei Freiburg bezahlbares Wohnen schafft
Gemeinschaftswohnmodelle senken Wohnkosten und schaffen Sicherheit
Am Rand von Gundelfingen bei Freiburg ist ein ungewöhnlicher Versuch entstanden, der auf steigende Mieten und knappen Wohnraum antwortet: ein viergeschossiges Holzwohnhaus, getragen vom Mietshäuser Syndikat, in dem rund 70 Menschen leben. Das Projekt verbindet private Rückzugsräume mit zahlreichen gemeinschaftlichen Angeboten und einer Finanzstruktur, die Gewinnstreben ausschließt.
Wohnen beginnt an der Haustür
Schon der Eingangsbereich signalisiert den Gemeinschaftscharakter: eine gemeinsame Garderobe, Hausschuhe für Gäste und offene Begegnungsflächen. Familien, Paare und Wohngemeinschaften wohnen unter einem Dach, jede Partei in einer eigenen Wohnung, dazu kommen große Gemeinschaftsräume, eine umfangreich ausgestattete Küche und ein kleiner Selbstbedienungsmarkt im Keller.
So funktioniert die Preisgestaltung
Zwei Faktoren halten die Mieten niedrig. Erstens orientieren sich die Wohnungsgrößen an Standards sozialer Wohnungsbauten, also nur so groß wie nötig. Zweitens wird die Miete in kollektiven Entscheidungen transparent festgelegt: In Bieterrunden geben Bewohnerinnen und Bewohner an, welche Summe sie tragen können, und gemeinsam wird geprüft, ob die Gesamtkalkulation tragbar ist. Ein Bewohner fasst das so zusammen: «Ich kann mir leisten, so zu wohnen, wie ich will, weil ich meine Miete hier auch senken kann», sagt Jens Schindler.
Schindler und seine Familie zahlen inklusive Nebenkosten und Internet 1 300 Euro für 82 Quadratmeter. In Freiburgs Mietspiegel liegt dieser Betrag deutlich über dem Durchschnitt für vergleichbaren Wohnraum, hier aber ermöglicht die Gemeinschaftsfinanzierung die niedrigere Belastung.
Finanzierung zwischen Förderkredit und Privatbeteiligung
Die Mittel für den Bau stammen größtenteils aus Förderkrediten von Bund und Land, ergänzt durch private Darlehen unterschiedlicher Höhe. Solche Privatkredite sichern einen Teil des Eigenkapitals, bergen aber bei einer Insolvenz ein finanzielles Risiko, worauf Verbraucherschützer hinweisen. Die Bewohner tilgen über die laufenden Mieten Zinsen und Kreditschulden.
Teilen als alltägliches Prinzip
Die gemeinsame Nutzung von Räumen und Infrastruktur ist zentral: Es gibt ein gemeinsames Wohnzimmer, Leseecken, einen Toberaum für Kinder und eine Gemeinschaftsküche, in der regelmäßig zusammen gekocht wird. Das Haus organisiert sich selbst: Gruppen kümmern sich um Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit und das soziale Miteinander; regelmäßige Plena entscheiden über Regeln und Alltagsfragen.
Engagement als Bedingung
Ein Platz in dem Projekt erfordert Mitarbeit. Nur wer sich aktiv in die Gemeinschaft einbringt, profitiert dauerhaft von den niedrigeren Kosten und der sozialen Sicherheit. Die Erfahrung der Bewohner zeigt, dass dieses Modell weit mehr bietet als nur eine preiswerte Wohnung: Es schafft Nachbarschaften, die Verantwortung teilen und den Druck des regulären Wohnungsmarkts abfedern.
Gundelfingen bei Freiburg ist nur ein Beispiel für lokale Initiativen, die in Baden-Württemberg angesichts eines Mangels von knapp 200 000 Wohnungen neue Wege suchen. Ob solche Projekte den großen gesellschaftlichen Bedarf decken können, ist offen; sie liefern aber ein praktisches Beispiel dafür, wie kollektive Selbstorganisation Mieten senken und Wohnqualität sichern kann.