Sozialwohnungen: Thüringen erwägt deutlich längere Mietpreisbindung
Mehr Jahre Mietpreisbindung sollen Sozialwohnungen langfristig sichern
Erfurt - Infrastrukturminister Steffen Schütz (BSW) hat einen Vorschlag vorgelegt, der die Mietpreisbindung für öffentlich geförderte Wohnungen in Thüringen um mindestens zehn Jahre verlängern könnte. Ziel ist es, den Rückgang günstiger Wohnungen zu stoppen und die Versorgung in besonders betroffenen Städten zu stabilisieren.
Derzeit endet die Förderbindung nach 20 Jahren. Nach Angaben des Ministeriums fallen im Freistaat im Schnitt rund 800 Wohnungen pro Jahr aus der Bindung, mehr als durch Neubau nachrücken. Schütz plant gestaffelte Anreize für Investoren: Bei einer Verlängerung um zehn Jahre soll es einen Zuschuss von 20 Prozent geben, bei einer Verlängerung um 15 Jahre einen Zuschuss von 30 Prozent.
Der Thüringer Wohnungswirtschaftsverband, der Unternehmen mit rund 265.000 verwalteten Wohnungen vertritt, unterstützt die Überlegung. Verbandsdirektor Frank Emrich sagte: «Wir sind dafür offen. Wir wollen die Objekte ohnehin nicht verkaufen.» Zugleich mahnte er, dass längere Bindungen nur mit angepassten Förderkonditionen des Landes sinnvoll seien.
Aktuell beziffert das Infrastrukturministerium den Bestand an Sozialwohnungen in Thüringen auf etwa 11.000. Der Sozial Wohn Monitor 2026 ermittelt einen Bedarf von rund 20.000 Sozialwohnungen, mit starken regionalen Unterschieden. Vor allem in Erfurt, Weimar und Jena sei die Nachfrage deutlich größer als das Angebot.
Emrich schätzt, dass jährlich etwa 1.000 Sozialwohnungen zusätzlich gebraucht werden, durch Neubau, Umbau und Modernisierung. Nach seinen Angaben könnten die kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen im Verband etwa 800 Einheiten pro Jahr beisteuern, den Rest müssten private Investoren liefern. Schütz kündigte an, die konkreten Förderbedingungen im Frühjahr vorzulegen.
Die Debatte dreht sich dabei nicht nur um die reine Laufzeit der Bindung, sondern um den Spagat zwischen langfristiger Mietstabilität und der Sicherung von Investitionsanreizen. Die vorgesehenen Boni sollen Investoren für längere Verpflichtungen gewinnen und so bezahlbaren Wohnraum auf Dauer sichern.

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