Steigende Wohnkosten treiben Rentner, Studierende und Alleinerziehende in Not
Mietbelastung wächst, Hilfebedarf steigt
KIEL — Immer mehr Menschen in Schleswig-Holstein wenden sich an den Mieterbund, weil die Miete einen immer größeren Teil ihres Einkommens aufzehrt. Besonders betroffen sind Menschen mit geringen Einkünften: Rentner, Studierende und Alleinerziehende suchen verstärkt Beratung, weil nach der Mietzahlung kaum noch Geld zum Leben bleibt.
Der Mieterbund Schleswig-Holstein berichtet von einem anhaltenden Anstieg solcher Beratungsfälle. Viele Betroffene scheuen jedoch, staatliche Unterstützung wie Wohngeld zu beantragen oder Hilfe in der Familie zu suchen. Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen schildern Fälle, in denen Rentner aus Scham so stark sparen, dass sie nur noch einmal am Tag essen, anstatt Anspruch auf Zuschüsse geltend zu machen.
Markt entwickelt sich schneller als Einkommen
Analysen zeigen, dass die Angebotsmieten für Bestandswohnungen 2024 im Median bei rund 10 Euro pro Quadratmeter lagen, nach 6,73 Euro im Jahr 2015. Das entspricht einer Steigerung von etwa 49 Prozent, während die Löhne im gleichen Zeitraum nur um rund 32 Prozent zulegten. In Schleswig-Holstein fließt damit im Durchschnitt etwa 30 Prozent des Einkommens in die Kaltmiete, zuzüglich Betriebs- und Heizkosten. Nur in Bremen und Hamburg ist der Anteil noch höher.
Fehlender Bestand und steigende Baukosten verschärfen Lage
Politik, Mieterbund und Wohnungswirtschaft fordern mehr Neubau, vor allem bezahlbarer Mietwohnungen. Die Wohnungsunternehmen weisen jedoch auf erhebliche Hemmnisse hin: hohe Bau- und Finanzierungskosten, lange Genehmigungsverfahren und strenge Normen machen viele Projekte unrentabel. Forschende warnen davor, dass eine Zunahme an Vorschriften kostengünstigen Wohnungsbau weiter verhindert.
In beliebten Urlaubsregionen wie den nordfriesischen Inseln oder der Lübecker Bucht verschärft das Fehlen von Mietspiegeln die Situation. Ohne verbindliche Vergleichswerte orientieren sich Vermieter oft an Angeboten auf Online-Portalen und setzen die Preise entsprechend hoch an.
Was Betroffene tun können
- Frühzeitig Beratung suchen, etwa beim Mieterbund oder sozialen Beratungsstellen.
- Fördermöglichkeiten und Wohngeld prüfen und gegebenenfalls beantragen.
- Bei anstehenden Kündigungen oder Eigenbedarfssituationen rechtliche Beratung einholen, um drohende Wohnungsverluste zu verhindern.
Die Debatte um mehr geförderten Wohnraum und weniger hemmende Bauvorschriften bleibt zentral, wenn die öffentliche Hand und die Wohnungswirtschaft die wachsende soziale Belastung auf dem Wohnungsmarkt abfedern wollen. Die Entwicklungen betreffen Mieterinnen und Mieter in Städten wie Kiel und in vielen Gemeinden Schleswig-Holsteins gleichermaßen.

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