US-Umzug bringt Wohnungsmarkt im Hunsrück an die Grenze
Unterkünfte knapp: 1 500 Soldaten brauchen neue Wohnungen
Baumaschinen und Gerüste prägen derzeit viele Wohnsiedlungen rund um Baumholder. Die Wohnblöcke aus den 1960er-Jahren werden umfassend modernisiert, doch genau jetzt werden die Wohnungen dringend gebraucht: Im März hat der Umzug einer Spezialeinheit aus Stuttgart nach Baumholder begonnen, im Laufe des Jahres sollen rund 1 500 Soldaten mit Familien neu untergebracht werden.
Harald Kastner, Leiter der Housing Division, beschreibt die Lage als Herausforderung. Durch die laufenden Renovierungsarbeiten stehen aktuell etwa 300 Wohnungen nicht zur Verfügung, die eigentlich belegt werden könnten. Um die Lücke zu schließen, sucht die Army verstärkt auf dem privaten Markt im Umland nach Wohnungen.
Veranstaltungen in Orten wie Idar-Oberstein, Berschweiler und Nohfelden sollen Hauseigentümer als Vermieter gewinnen. Markus Immesberger, zuständig für Off Post Unterkünfte, berichtet von guter Resonanz: Rund 100 Objekte konnten bereits angemietet werden, das reicht aber bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken.
Zusätzliche Konkurrenz kommt von der Air Base Ramstein, rund 40 Kilometer entfernt. Dort werden ebenfalls Hunderte Wohnungen benötigt, weshalb besonders Immobilien im Kreis Kusel sehr schnell vergeben sind. Das Team in Baumholder konzentriert die Suche daher auf den Kreis Birkenfeld und das nördliche Saarland, wo die Nachfrage etwas geringer ist.
Das US-Militär stellt aber klare Anforderungen: Wohnungen sollen modernisiert und familiengerecht sein. Neuerdings verlangt die Army für Familienunterkünfte deutlich größere Flächen, in der Größenordnung von rund 160 Quadratmetern. Deshalb investiert die Army massiv in die On-Post-Siedlung: Mit einer Summe von rund einer halben Milliarde Dollar werden bestehende Gebäude angepasst und kleinere Einheiten zu größeren Wohnungen zusammengelegt, ein Prozess, den die Housing Division als Rightsizing bezeichnet. Die Arbeiten sollen bis 2033 andauern.
Auf dem privaten Markt sind solche großen, renovierten Wohnungen selten. Immobilienmaklerin Heike Heringer aus Idar-Oberstein sieht zwar Chancen bei Einfamilienhäusern auf dem Land, gibt aber zu bedenken, dass viele Altbauwohnungen nicht den Anforderungen entsprechen oder zu klein sind. Positiv ist für Vermieter, dass die Army Mietzuschüsse zahlt, wodurch Einnahmen stabiler werden können.
Trotz der Nachfrage bleiben die Mieten in Teilen des Hunsrück vergleichsweise moderat. In Idar-Oberstein liegen die Durchschnittsmieten bei etwa sieben bis acht Euro pro Quadratmeter, in Trier, Bitburg und Wittlich sind es zuletzt mehr als neun Euro pro Quadratmeter. Ob die verstärkte Nachfrage durch das US-Militär die Preise nachhaltig nach oben treibt, halten Fachleute für ungewiss.
Hinzu kommt politische Unsicherheit. Aussagen aus Washington sorgen in der Region für Skepsis, wie Heringer anmerkt: «Dieser Mann ist unberechenbar.» Die Frage, ob angekündigte Truppen dauerhaft und in voller Stärke stationiert bleiben, beeinflusst die Bereitschaft von Eigentümern zu langfristigen Vermietungen.
Fazit: Kurzfristig bleibt die Situation angespannt. Die Kombination aus Bauarbeiten auf den Militärsiedlungen, hohen Standards des US-Militärs und Konkurrenz durch andere Stützpunkte zwingt die Housing Division und lokale Akteure zu intensiver Suche und Kooperation. Ob das Angebot in der Region ausreicht, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden.

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