Wohnungsmangel im Südwesten kostet Wohlstand und Arbeitsplätze
Wohnungsmangel kostet Arbeitsplätze und dämpft die wirtschaftliche Entwicklung
Eine aktuelle Studie des Pestel-Instituts zeigt, wie eng Wohnungsbau, Beschäftigung und Wirtschaftskraft verflochten sind. Im Landesteil des Südwestens, also in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, fehlen demnach insgesamt 337000 Wohnungen. Die Forschung macht deutlich: Es geht nicht nur um Enge auf dem Wohnungsmarkt, sondern um reale wirtschaftliche Schäden.
Die fehlenden Wohnungen verhindern, dass freie Arbeitsstellen, vor allem in beliebten Regionen, besetzt werden. Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, stellt fest, dass insbesondere Berufe mit vergleichsweise niedrigen Einkommen betroffen sind. Viele Firmen leiden unter Personalengpässen, weil potenzielle Beschäftigte keinen bezahlbaren Wohnraum finden.
Kernauszählung und regionale Verteilung
- In Baden-Württemberg fehlen rund 201000 Wohnungen.
- In Rheinland-Pfalz fehlen rund 136000 Wohnungen.
- Bundesweit ermitteln die Forscher einen Mangel von etwa 1,35 Millionen Wohnungen.
Das Institut weist darauf hin, dass die Neubautätigkeit deutlich hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückbleibt. Laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung müssten jährlich rund 320000 Wohnungen fertiggestellt werden, um die Nachfrage zu decken. Prognosen von Instituten gehen aber von deutlich geringeren Zahlen aus: Für 2026 werden etwa 185000 neue Wohnungen erwartet, 2025 waren es rund 205000.
Konkrete Folgen für Staat, Mieter und Unternehmen
Der Rückgang der Bautätigkeit wirkt sich direkt auf Steuereinnahmen und Mieten aus. Das Pestel-Institut beziffert entgangene Staatseinnahmen in Milliardenhöhe, weil Umsatz- und Grunderwerbsteuern geringer ausfallen. In Baden-Württemberg sind die Preise für günstigen Wohnraum seit 2015 um fast 72 Prozent gestiegen. Zugleich verschärft der sogenannte Lock-in-Effekt die Lage: Ältere Eigentümer bleiben in großen Wohnungen, Familien finden keine größeren Wohnungen, weil Umzüge oft wirtschaftlich nicht lohnen.
Das hat unmittelbare Folgen für Kommunen und Unternehmen. In innerstädtischen Zentren wie Stuttgart spüren Pendler und mittelständische Betriebe die Folgen, wenn Pflegekräfte, Erzieherinnen oder Handwerker keinen angemessenen Wohnraum finden und Jobs deshalb unbesetzt bleiben.
Was jetzt nötig ist
Experten fordern eine umfassende Strategie: mehr Neubau, beschleunigte Genehmigungsverfahren, gezielte Förderung von bezahlbarem Wohnraum und eine bessere Nutzung bestehender Flächen. Ohne spürbare politische und private Anstrengungen drohen nicht nur weiter steigende Mieten, sondern auch längerfristige Einbußen beim Wirtschaftswachstum und bei der Beschäftigung.
Die Studie macht klar: Wohnungsbau ist keine isolierte Sozialaufgabe, sondern ein zentraler Standortfaktor. Bleiben die Weichenstellungen aus, wird der Wohlstandsverlust für die Regionen im Südwesten und darüber hinaus weiter zunehmen.