Frankfurter Mietspiegel entlarvt Lücken: Zahlen reichen nicht
Mietspiegel offenbart Lücke zwischen Statistik und gelebter Wirklichkeit
Der neue Mietspiegel legt die Zahlen des Marktes offen, doch statt Klarheit hat er breite Skepsis hervorgerufen. Dass sowohl Mieter als auch Vermieter das Werk in Frage stellen, zeigt: Ein bloßes Zahlenwerk kann nur dann Stabilität schaffen, wenn seine Einordnung nachvollziehbar und akzeptiert ist.
Die Stadt hat zwei renommierte Institute mit der wissenschaftlichen Ausarbeitung beauftragt. Erstmals mussten sie sich an die neue Mietspiegelverordnung des Bundes halten und Wohnungen in zehn Lagekategorien einordnen. Dabei flossen typische Einflussfaktoren ein, etwa Verkehrslärm, Nähe zu Grünflächen oder Einkaufsmöglichkeiten. In vielen Fällen ergibt sich dadurch ein detaillierteres Bild des Wohnwerts als bisher.
Gleichwohl bleiben manche Ergebnisse schwer vermittelbar. So werden in einem Quartier mit annähernd identischen Häusern einzelne Gebäude einer deutlich schlechteren Lagekategorie zugeordnet als die Nachbarhäuser. Solche Diskrepanzen schwächen die Autorität eines Instruments, das genau dazu dienen soll, Streit über Miethöhen zu vermeiden.
Ein Blick auf die Zahlen offenbart zudem eine harte Wahrheit: In den vergangenen Jahren sind Wohnkosten stärker gestiegen als viele andere Dienstleistungen, trotz Kappungsgrenzen und Mietpreisbremse. An dieser Entwicklung ändert ein Mietspiegel allein wenig. Wer bezahlbares Wohnen ermöglichen will, muss vorrangig an der Quelle ansetzen und mehr Wohnraum zu niedrigeren Kosten schaffen.
Die Debatte in der Stadtpolitik zeigt, dass die Lösung nicht in einer Illusion besteht, sondern in einer gezielten Wohnungsbaupolitik und klaren Prioritäten bei Flächen- und Baukosten.

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