Zoll entdeckt massenhafte Schwarzarbeit beim Glasfaserausbau
Weit verbreitete Schwarzarbeit auf Glasfaserbaustellen aufgedeckt
Münster. Bei einer unangekündigten Kontrolle auf fünf Baustellen für den Glasfaserausbau hat die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Münster ein beunruhigendes Ausmaß an illegaler Beschäftigung festgestellt. Von 38 überprüften Personen waren 20 nicht sozialversichert gemeldet und somit schwarz beschäftigt. Sechs der Betroffenen durften nach den Behördenangaben überhaupt keiner Beschäftigung in Deutschland nachgehen und hielten sich illegal im Land auf.
Die Prüfenden stießen während ihres Einsatzes auf weitere dramatische Einzelsituationen: Ein Mann versuchte vor dem Eintreffen der Kontrolle zu fliehen und wurde von den Zollkräften gestellt. Gegen einen anderen Arbeitnehmer bestand ein offener Haftbefehl; er wurde nach der Kontrolle an die Polizei übergeben.
Die Ergebnisse werfen ein Schlaglicht auf Probleme in der Branche: Neben fehlenden Anmeldungen zur Sozialversicherung geht es um nicht erkannte Risiken für Arbeitnehmende und erhebliche Wettbewerbsverzerrungen zugunsten unseriöser Unternehmen. Die Ermittlungen des Zolls laufen weiter; mögliche straf- und ordnungswidrige Verfahren sowie nachfolgende Bußgeld- und Nachzahlungsansprüche gegen die Arbeitgeber sind zu erwarten.
Verena John, Pressesprecherin des Hauptzollamts Münster, wertete den Befund als außerordentlich schwerwiegend und betonte, dass ein derart gebündeltes Ausmaß an Verstößen bei einer einzelnen Prüfung selten sei: «Dass wir derartig viele und auch schwerwiegende Verstöße bei einer Prüfung feststellen, ist selten.»
Die Kontrolle macht deutlich, dass der rasch voranschreitende Glasfaserausbau einer strengen Aufsicht bedarf, um ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Gefährdungen der Beschäftigten und illegale Anbieterketten zu verhindern. Stadt und Landesbehörden kündigten eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Zoll an, um künftig präventiver zu agieren und gesetzeswidrige Praktiken effektiver zu unterbinden.
Hintergrund: Die Überprüfungen fanden im Zuge routinemäßiger Kontrollen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit statt. Ziel ist es, das komplexe Geflecht aus Auftraggebern, Subunternehmern und Beschäftigten transparenter zu machen und rechtswidrige Beschäftigungsformen aufzudecken.

10. April
Sozialwohnungen: Thüringen erwägt deutlich längere Mietpreisbindung«Länger binden, leistbarer wohnen»
Weiterlesen ⮞

10. April
Deutscher Wohnungsmarkt 2026: Preise stabil, Nachfrage spürbar rückläufigPreise halten, Käufer zögern — wie lange noch
Weiterlesen ⮞

09. April
Innenstadtboom treibt Preise: Zentrale Wohnungen im Schnitt 27 Prozent teurerInnenstadt zahlt deutlich mehr — wer bleibt auf der Strecke
Weiterlesen ⮞