Angebotspreise steigen weiter, Tauschangebote verstärken die Wohnungsnot
Mietanstieg setzt sich fort, Tauschangebote häufen sich
Hamburg — Die Angebotsmieten für neu vermietete Wohnungen klettern weiter, wenn auch langsamer als im Vorjahr. Eine langjährige Auswertung des Gymnasiums Ohmoor weist für das erste Quartal einen durchschnittlichen Kaltmietpreis von 15,88 Euro pro Quadratmeter aus, das entspricht einem Zuwachs von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Grundlage der Untersuchung waren rund 5 000 Onlineanzeigen sowie etwa 300 zusätzliche Inserate aus Stadtteilen mit wenigen Angeboten.
Das Umland zeigt eine deutlichere Dynamik: In sechs betrachteten Landkreisen stiegen die Angebotspreise um 4,8 Prozent auf durchschnittlich 12,65 Euro pro Quadratmeter. Besonders hohe Einstiegspreise wurden in der Altstadt gemessen, dort liegt ein Mittelwert aus zwölf Inseraten bei 30,88 Euro pro Quadratmeter kalt.
Gleichzeitig registrierten die Auswerter auffallend viele Tauschangebote, also Inserate, in denen Mieterinnen und Mieter einen direkten Wohnungswechsel vorschlagen. Der Vorsitzende des Mietervereins zu Hamburg, Rolf Bosse, warnt: «Von Entwarnung kann keine Rede sein. Die Preisunterschiede zur Stadt schrumpfen weiter. Bezahlbarer Wohnraum wird auch im Umland zunehmend knapp.» Er betont zudem, dass Wohnungstausch rechtlich und organisatorisch schwierig sei und Vermieter die Gelegenheit nutzen könnten, höhere Mieten oder Indexklauseln zu vereinbaren.
Andere Messgrößen liegen über den Ergebnissen der Schülerauswertung: Der Greix-Mietpreisindex des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel kommt für Hamburg im ersten Quartal auf 16,35 Euro pro Quadratmeter, ein nominaler Anstieg von 6,03 Prozent. Der Hamburger Mietenspiegel dagegen nennt einen Medianwert von 9,94 Euro, der die Mitte des Marktes abbildet.
Die Linksfraktion sieht in den Zahlen einen Beleg für die anhaltende Belastung vieler Haushalte. Die wohnungspolitische Sprecherin Heike Sudmann kommentiert, Einstiegsmieten von knapp 16 Euro machten es für viele praktisch unmöglich, bezahlbaren Wohnraum zu finden, und kritisiert das ausbleibende entschlossene Vorgehen gegen Mietwucher.
Fazit: Auch wenn die Teuerung an Tempo verloren hat, bleibt der Wohnungsmarkt angespannt. Hohe Einstiegsmieten, wachsende Nachfrage im Umland und neue Vermittlungsformen wie Wohnungstausch verschärfen die Lage für Wohnungssuchende in und um Hamburg.

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